EBITDA

EBITDA

EBITDA ist eine Kennzahl aus der Bilanz eines Unternehmens. Sie zeigt den Gewinn, bevor Zinsen, Steuern und der Wertverlust von Maschinen und Gebäuden abgezogen werden.

Ein Unternehmen nimmt Geld ein und gibt Geld aus. Was am Ende übrig bleibt, ist der Gewinn. Von diesem Gewinn gehen aber Dinge ab, die wenig mit dem eigentlichen Geschäft zu tun haben: Zinsen für Kredite, Steuern an den Staat und der rechnerische Wertverlust von Maschinen, Gebäuden oder Software. EBITDA ist der Gewinn, bevor genau diese vier Posten abgezogen werden. Die fünf Buchstaben stehen für die englischen Begriffe dieser Posten: Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization. Die Idee dahinter: Man will sehen, wie viel das Kerngeschäft selbst abwirft, unabhängig von Schulden, Steuersatz und Investitionen aus der Vergangenheit.

Warum Investoren so gern darauf schauen

Zwei Unternehmen können exakt dasselbe Geschäft betreiben und trotzdem völlig unterschiedliche Gewinne ausweisen. Das eine hat seine Fabrik mit einem teuren Kredit gebaut und zahlt hohe Zinsen. Das andere gehört einem reichen Eigentümer und ist schuldenfrei. Das eine sitzt in Irland mit niedrigen Steuern, das andere in Deutschland. EBITDA blendet diese Unterschiede aus und macht die beiden vergleichbar.

Besonders wichtig ist die Kennzahl bei jungen Technologiefirmen. Ein Rechenzentrumsbetreiber steckt am Anfang Milliarden in Server und Gebäude. Diese Ausgaben werden über viele Jahre als Wertverlust verbucht und drücken den ausgewiesenen Gewinn tief ins Minus. Das Unternehmen kann trotzdem operativ profitabel sein. Genau das soll das EBITDA zeigen.

Häufig wird nicht die absolute Zahl genannt, sondern die EBITDA-Marge. Das ist der Anteil des EBITDA am Umsatz. Ein Softwareunternehmen mit 40 Prozent Marge gilt als sehr profitabel, ein Supermarkt liegt eher bei 5 Prozent. Auch Kreditverträge knüpfen oft an diese Zahl an: Banken erlauben zum Beispiel höchstens Schulden in Höhe des vierfachen EBITDA.

Wie die Zahl zustande kommt

Man startet beim Nettogewinn, also dem Betrag ganz unten in der Gewinn- und Verlustrechnung. Dann addiert man die vier ausgeklammerten Posten wieder dazu. Erst die gezahlten Zinsen, dann die Steuern, dann die Abschreibungen auf materielle Dinge wie Maschinen, zuletzt die Abschreibungen auf immaterielle Dinge wie Patente oder Markenrechte. Das Ergebnis ist das EBITDA.

Ein Zahlenbeispiel: Eine Firma meldet 10 Millionen Euro Nettogewinn. Sie hat 5 Millionen Zinsen gezahlt, 3 Millionen Steuern und 12 Millionen abgeschrieben. Das EBITDA beträgt dann 30 Millionen Euro. Die Zahl klingt dreimal so gut wie der echte Gewinn, obwohl sich am Geschäft nichts geändert hat.

Genau hier liegt die größte Falle. EBITDA ist keine offizielle Kennzahl nach den Bilanzregeln, sondern eine freiwillige Angabe. Jedes Unternehmen darf sie selbst berechnen. Viele veröffentlichen ein bereinigtes EBITDA und rechnen zusätzlich Umbaukosten, Anwaltskosten oder Aktienvergütungen an Mitarbeiter heraus. Der Investor Warren Buffett spottet, Abschreibungen seien sehr wohl echte Kosten: Maschinen nutzen sich ab und müssen irgendwann ersetzt werden.

EBITDA in Quartalszahlen und Übernahmen

Wer Wirtschaftsnachrichten liest, stolpert vor allem in der Quartalssaison über den Begriff. Konzerne wie SAP, Siemens oder Delivery Hero nennen ihr EBITDA meist prominenter als den Nettogewinn. Wenn eine Aktie nach guten Zahlen fällt, liegt es oft daran, dass das EBITDA zwar stieg, die Prognose für das Gesamtjahr aber gesenkt wurde.

Auch bei Firmenübernahmen ist die Kennzahl der Standardmaßstab. Der Kaufpreis wird häufig als Vielfaches des EBITDA angegeben, etwa das Achtfache. Ein Startup, das noch keinen Gewinn macht, lässt sich so überhaupt erst bewerten. Bei Verhandlungen streiten Käufer und Verkäufer deshalb hart darüber, welche Kosten als einmalig gelten und herausgerechnet werden dürfen.

Ein praktischer Rat zum Lesen solcher Meldungen: Vergleiche das EBITDA immer mit dem tatsächlichen Nettogewinn und dem freien Cashflow, also dem Geld, das wirklich auf dem Konto landet. Klaffen diese Zahlen dauerhaft weit auseinander, lohnt ein genauerer Blick. Bei Firmen wie WeWork war das gemeldete EBITDA jahrelang positiv, während das Unternehmen enorme Summen verbrannte.

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