
Wandelanleihe
Eine Wandelanleihe ist ein Kredit an ein Unternehmen, der später in Aktien dieses Unternehmens umgetauscht werden kann. Der Geldgeber bekommt dafür meist weniger Zinsen als bei einem normalen Kredit, hat aber die Chance, vom steigenden Aktienkurs zu profitieren.
Wenn ein Unternehmen Geld braucht, hat es zwei klassische Wege. Es kann sich Geld leihen und später mit Zinsen zurückzahlen. Oder es kann neue Anteile am Unternehmen verkaufen, also Aktien ausgeben. Eine Wandelanleihe verbindet beides in einem einzigen Vertrag. Anleger geben dem Unternehmen zunächst einen Kredit und bekommen dafür regelmäßig Zinsen. Zusätzlich dürfen sie diesen Kredit später zu einem vorher festgelegten Kurs in Aktien umtauschen. Ob sie das tun, entscheiden sie selbst — es ist ein Recht, keine Pflicht.
Warum Firmen sie ausgeben und Anleger sie kaufen
Für das Unternehmen ist der Vorteil vor allem der Zinssatz. Weil das Umtauschrecht für Anleger attraktiv ist, akzeptieren diese eine niedrigere Verzinsung. Eine normale Unternehmensanleihe kostet die Firma vielleicht fünf Prozent Zinsen im Jahr. Als Wandelanleihe reichen oft ein oder zwei Prozent, manchmal sogar null. Das spart über mehrere Jahre viel Geld.
Für Anleger ist die Wandelanleihe eine Art abgesicherte Wette. Steigt der Aktienkurs stark, tauschen sie um und verdienen wie ein Aktionär. Fällt der Kurs, verzichten sie auf den Tausch und bekommen am Ende der Laufzeit ihr Geld zurück. Der mögliche Gewinn ist also nach oben offen, der Verlust nach unten begrenzt. Diese Schieflage zugunsten des Anlegers ist der eigentliche Kern des Produkts.
Kostenlos ist das aber nicht. Wer wandelt, erhöht die Zahl der Aktien im Umlauf. Die Anteile der bisherigen Aktionäre werden dadurch etwas kleiner. Fachleute nennen das Verwässerung. Deshalb reagieren Aktienkurse auf die Ankündigung einer großen Wandelanleihe oft zunächst negativ.
Wandlungspreis, Laufzeit und die Rechnung dahinter
Im Vertrag stehen drei zentrale Zahlen. Erstens der Nennwert, also die geliehene Summe pro Stück, oft 1.000 Euro. Zweitens der Wandlungspreis: der Kurs, zu dem eine Aktie beim Tausch angerechnet wird. Drittens die Laufzeit, meist drei bis sieben Jahre.
Ein Beispiel macht das greifbar. Die Aktie steht bei Ausgabe bei 100 Euro, der Wandlungspreis wird auf 130 Euro festgelegt. Für 1.000 Euro Nennwert bekommt man beim Tausch also rund 7,7 Aktien. Steht die Aktie am Ende bei 200 Euro, sind diese Aktien etwa 1.540 Euro wert — deutlich mehr als die Rückzahlung von 1.000 Euro. Steht sie dagegen bei 90 Euro, wäre ein Tausch unsinnig, und man nimmt die 1.000 Euro.
Der Aufschlag zwischen aktuellem Kurs und Wandlungspreis heißt Wandlungsprämie. Sie ist der Preis, den der Anleger für die Sicherheit zahlt. Je höher die Prämie, desto weiter muss die Aktie steigen, bis sich der Tausch lohnt. Häufig darf das Unternehmen die Anleihe außerdem vorzeitig kündigen, wenn der Kurs lange genug über einer bestimmten Schwelle liegt. So erzwingt es faktisch die Wandlung und wird die Schulden los.
Wo Wandelanleihen in den Wirtschaftsnachrichten auftauchen
Besonders häufig nutzen wachsende Technologieunternehmen dieses Instrument. Sie machen oft noch wenig Gewinn und bekommen deshalb schwer günstige Kredite. Gleichzeitig trauen Anleger ihnen stark steigende Kurse zu. Genau in dieser Lage passt eine Wandelanleihe gut.
Ein bekanntes Muster der letzten Jahre: Firmen sammeln über Wandelanleihen Milliarden ein, um damit Rechenzentren, Chips oder Übernahmen zu finanzieren. Auch Unternehmen, die große Mengen Bitcoin kaufen, haben sich so Geld beschafft. In den Meldungen liest man dann Sätze wie: „Das Unternehmen begibt eine Wandelanleihe über eine Milliarde Dollar mit Fälligkeit 2030.“
Als Privatanleger kauft man einzelne Wandelanleihen selten direkt, denn die Stückelung ist oft groß und der Handel unübersichtlich. Es gibt aber Fonds, die viele solcher Papiere bündeln. Wichtig ist die Abgrenzung zur Optionsanleihe: Dort bleibt die Anleihe bestehen, und das Recht auf Aktien wird separat gehandelt. Bei der Wandelanleihe verschwindet die Schuld beim Tausch.