Unicorn

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Ein Unicorn ist ein junges, noch nicht börsennotiertes Unternehmen, dem Investoren einen Wert von mindestens einer Milliarde Dollar zuschreiben. Der Begriff ist kein Qualitätssiegel, sondern nur eine Marke, die eine Bewertung überschreitet.

Ein Unicorn ist ein junges Unternehmen, das nach Einschätzung seiner Geldgeber mindestens eine Milliarde US-Dollar wert ist. Wichtig dabei: Diese Firmen sind nicht an der Börse, man kann ihre Aktien also nicht einfach kaufen. Der Wert ergibt sich stattdessen aus Verhandlungen mit Investoren, die Geld gegen Firmenanteile tauschen. Das englische Wort bedeutet Einhorn und wurde 2013 von der Investorin Aileen Lee geprägt. Sie wollte damit ausdrücken, wie selten solche Firmen damals waren. Heute gibt es weltweit über tausend davon, das Fabelwesen ist also deutlich häufiger geworden.

Warum die Milliardenmarke überhaupt Schlagzeilen macht

Die Grenze von einer Milliarde ist willkürlich gewählt. Trotzdem hat sie enorme Wirkung, weil sie eine einfache Sortierung erlaubt. Wer den Status erreicht, gilt als ernstzunehmender Player und bekommt Aufmerksamkeit von Presse, Kunden und Bewerbern. Für ein Startup, das um Fachkräfte konkurriert, ist das ein echter Vorteil.

Für Investoren ist die Zahl außerdem ein grober Fortschrittsmesser. Wagniskapitalgeber legen Geld in viele riskante Firmen an und wissen, dass die meisten scheitern. Ihr Gewinn hängt an den wenigen, die extrem groß werden. Ein Unicorn im eigenen Portfolio kann alle Verluste der anderen Beteiligungen ausgleichen.

Gleichzeitig warnen Fachleute davor, den Titel mit Erfolg zu verwechseln. Eine hohe Bewertung sagt nichts darüber, ob eine Firma Gewinn macht. Viele Unicorns verbrennen jedes Jahr große Summen und hoffen darauf, später profitabel zu werden. Der Zahlungsdienst Klarna etwa war zeitweise mit 45 Milliarden Dollar bewertet und ein Jahr später nur noch mit knapp sieben.

Wie die Milliardenbewertung zustande kommt

Junge Firmen sammeln Geld in sogenannten Finanzierungsrunden ein. Ein Investor zahlt eine Summe und bekommt dafür einen Anteil am Unternehmen. Aus diesen beiden Zahlen lässt sich der Gesamtwert hochrechnen. Wer 50 Millionen für fünf Prozent zahlt, bewertet die ganze Firma damit rechnerisch mit einer Milliarde.

Diese Rechnung hat einen Haken. Sie unterstellt, dass alle übrigen Anteile genauso viel wert sind wie die gerade verkauften. Das muss nicht stimmen. Neue Investoren lassen sich oft Sonderrechte zusichern, etwa dass sie bei einem Verkauf ihr Geld zuerst zurückbekommen. Solche Klauseln machen ihre Anteile wertvoller als die der Gründer, was die Gesamtzahl schönt.

Man kann sich das wie eine Schätzung beim Hausverkauf vorstellen. Solange niemand tatsächlich zahlt, bleibt der Preis eine Behauptung. Erst ein Börsengang oder ein Verkauf zeigt, was der Markt wirklich bereit ist zu geben. Nicht selten liegt dieser Preis deutlich unter der letzten Bewertung.

Einhörner in der KI-Branche und in den Nachrichten

Besonders viele Unicorns entstehen derzeit rund um künstliche Intelligenz. Firmen wie Anthropic, Mistral AI oder das deutsche Unternehmen Helsing erreichten die Milliardenmarke innerhalb weniger Jahre. Der Grund ist der enorme Kapitalbedarf: Das Training großer KI-Modelle verschlingt Rechenzentren und Strom in einer Größenordnung, die kleine Finanzierungen nicht decken.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist in zwei Situationen auf. Entweder erreicht eine Firma den Status neu, dann ist von einem neuen Einhorn die Rede. Oder eine Bewertung bricht ein, dann liest man von einem gefallenen Einhorn. Beide Meldungen beschreiben Bewertungen, nicht Umsätze.

Es gibt auch Steigerungsformen. Ab zehn Milliarden Dollar spricht man von einem Decacorn, ab hundert Milliarden von einem Hectocorn. Wer solche Meldungen liest, sollte immer zwei Fragen stellen: Woher stammt die Zahl, und hat jemand tatsächlich so viel bezahlt?

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