Vergleichsschema: links Single-Tenancy mit drei Kunden, die je eine eigene Programmkopie und eigene Datenbank haben; rechts Multi-Tenancy, in der drei Kunden über dieselbe Programminstanz auf eine gemeinsame Datenbank zugreifen, deren Datensätze durch Mandanten-IDs getrennt sind.

Multi-Tenancy-Architektur

Bei einer Multi-Tenancy-Architektur nutzen viele Kunden dieselbe Software auf denselben Rechnern, sehen aber jeweils nur ihre eigenen Daten. Das senkt die Kosten pro Kunde erheblich und ist die Grundlage fast aller Angebote, die man im Browser abonniert.

Stell dir ein Mietshaus vor. Alle Bewohner teilen Fundament, Dach, Leitungen und Treppenhaus. Trotzdem hat jeder seine eigene Wohnung mit eigenem Schlüssel, und niemand sieht in die Zimmer der anderen. Eine Multi-Tenancy-Architektur baut Software nach genau diesem Prinzip: Ein einziges Programm läuft auf einer gemeinsamen Technik und bedient viele Kunden gleichzeitig. Jeder dieser Kunden heißt in der Fachsprache Mandant oder Tenant, und jeder bekommt streng nur seine eigenen Daten zu sehen. Das Gegenmodell wäre, für jeden Kunden ein komplett eigenes Haus zu bauen — also eine eigene Kopie des Programms auf eigenen Rechnern.

Der Kostenvorteil geteilter Server

Der wirtschaftliche Grund ist einfach: Geteilte Technik ist billiger als vervielfachte Technik. Ein Anbieter muss nicht 5.000 einzelne Installationen pflegen, sondern eine. Ein Sicherheitsupdate wird einmal eingespielt und gilt sofort für alle Kunden. Das spart nicht nur Server, sondern vor allem Personal — und Personal ist in der Softwarebranche der größte Kostenblock.

Deshalb ist Multi-Tenancy die technische Grundlage des Geschäftsmodells Software as a Service, also von Software, die man monatlich mietet statt einmal kauft. Nur weil ein neuer Kunde kaum zusätzliche Kosten verursacht, funktioniert ein Preis von wenigen Euro pro Nutzer und Monat. Anbieter wie Salesforce, Microsoft oder Slack rechnen genau so. In Geschäftsberichten liest man das an der Bruttomarge ab: Werte von 70 bis 80 Prozent sind typisch und wären mit Einzelinstallationen kaum erreichbar.

Der Preis dieses Modells ist ein geballtes Risiko. Fällt die gemeinsame Technik aus, stehen alle Kunden gleichzeitig still. Und ein einziger Programmierfehler bei der Datentrennung kann Daten fremder Firmen sichtbar machen. Solche Vorfälle sind selten, aber sie machen regelmäßig Schlagzeilen.

Wie die Daten der Mandanten getrennt bleiben

Der Kern ist eine Kennung, die zu jedem Datensatz gespeichert wird: die Mandanten-ID. Bei jeder Anfrage prüft die Software, zu welchem Kunden der angemeldete Nutzer gehört. Anschließend darf sie nur Datensätze mit der passenden Kennung ausliefern. Diese Prüfung liegt nicht in der Zuständigkeit des Nutzers, sondern ist fest im Programm verdrahtet.

In der Praxis gibt es drei Abstufungen. Bei der stärksten Teilung liegen alle Kunden gemeinsam in einer Datenbank, also in einer großen Sammlung von Tabellen. Bei der mittleren Variante bekommt jeder Kunde eigene Tabellen innerhalb derselben Datenbank. Bei der schwächsten Teilung erhält jeder Kunde eine eigene Datenbank, während das Programm selbst geteilt bleibt. Je stärker geteilt wird, desto günstiger ist der Betrieb — desto größer ist aber auch der Schaden, wenn die Trennung versagt.

Ein zweites Problem heißt „noisy neighbor“, also lauter Nachbar. Ein einzelner Kunde stellt eine extrem aufwendige Abfrage und bremst dadurch alle anderen aus. Dagegen setzen Anbieter Obergrenzen pro Mandant, etwa eine maximale Zahl von Anfragen pro Minute. Große Kunden mit strengen Auflagen bekommen manchmal trotzdem eine eigene Umgebung. Das nennt man Single-Tenancy und lässt sich der Anbieter meist gut bezahlen.

Von Google Docs bis zur ChatGPT-API

Praktisch jeder Dienst, den man im Browser benutzt, ist mandantenfähig gebaut. Google Docs, Spotify, das Schulportal oder ein Online-Shop-Baukasten laufen für Millionen Nutzer auf derselben Software. Man merkt davon nichts, und genau das ist das Ziel einer gelungenen Umsetzung.

Bei KI-Diensten ist das Thema besonders heikel. Wenn viele Firmen dieselbe Schnittstelle zu einem Sprachmodell nutzen, muss sichergestellt sein, dass Eingaben eines Kunden nicht in den Antworten eines anderen auftauchen. Anbieter versprechen daher vertraglich, dass Kundeneingaben nicht ins Training fließen. Wer eine KI mit eigenen Firmendokumenten arbeiten lässt, muss zusätzlich die Suche über diese Dokumente pro Mandant abschotten.

In Wirtschaftsnachrichten begegnet der Begriff meist in zwei Zusammenhängen. Erstens, wenn ein Anbieter erklärt, warum seine Kosten pro Kunde sinken, während die Kundenzahl steigt. Zweitens nach Datenlecks, wenn die Trennung zwischen Mandanten fehlerhaft war. Beides zeigt: Multi-Tenancy ist keine technische Randnotiz, sondern eine Entscheidung mit direkten Folgen für Gewinn und Vertrauen.

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