Schema mit drei Stufen der Mandantentrennung nebeneinander: links eine gemeinsame Datenbank mit farblich markierten Mandanten-Kennungen, in der Mitte eine gemeinsame Software über drei getrennten Datenbanken, rechts drei vollständig getrennte Server für je einen Kunden.

Mandantentrennung

Mandantentrennung bedeutet, dass mehrere Kunden dieselbe Software auf denselben Rechnern nutzen, ihre Daten aber strikt voneinander getrennt bleiben. Sie ist die technische und rechtliche Grundlage dafür, dass Unternehmen überhaupt gemeinsame Online-Dienste einsetzen können.

Viele Programme laufen heute nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern in großen Rechenzentren im Internet. Ein einzelner Anbieter betreibt dort eine Software für tausende Firmen gleichzeitig. Jede dieser Firmen wird als Mandant bezeichnet, also als eigener Kunde mit eigenen Daten. Mandantentrennung heißt: Alle nutzen dieselbe Software, aber niemand kann die Daten der anderen sehen. Die Kundenliste von Firma A und die Kundenliste von Firma B liegen vielleicht in derselben Datenbank. Trotzdem darf ein Mitarbeiter von Firma A niemals etwas von Firma B zu Gesicht bekommen.

Was auf dem Spiel steht, wenn die Trennung bricht

Ohne verlässliche Trennung wäre das gesamte Geschäftsmodell moderner Online-Software nicht möglich. Kein Krankenhaus würde Patientendaten in ein System geben, das auch die Konkurrenz benutzt. Kein Steuerberater würde dort die Zahlen seiner Klienten speichern. Die Trennung ist also nicht bloß ein technisches Detail, sondern die Vertrauensgrundlage des ganzen Marktes.

Dazu kommt der rechtliche Druck. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung verlangt, dass personenbezogene Daten gegen unbefugten Zugriff geschützt sind. Ein Fehler, bei dem ein Kunde die Daten eines anderen sieht, gilt als meldepflichtige Datenschutzverletzung. Solche Vorfälle können Bußgelder in Millionenhöhe nach sich ziehen. Für börsennotierte Anbieter sind sie außerdem ein Thema für den Aktienkurs.

Wirtschaftlich ist die gemeinsame Nutzung sehr attraktiv. Ein Anbieter muss die Software nur einmal pflegen und aktualisieren, nicht tausendmal. Genau deshalb ist Software aus dem Netz oft billiger als eine eigene Installation. Der Preis dafür ist die Verantwortung, die Trennung dauerhaft dicht zu halten.

Vom gemeinsamen Server bis zum eigenen Rechner

Es gibt mehrere Stufen, wie streng man trennen kann. Die günstigste Variante nutzt eine einzige Datenbank für alle. Jeder Datensatz bekommt dann eine Kennung, die den Mandanten angibt. Die Software muss bei jeder Abfrage prüfen, ob diese Kennung zum angemeldeten Nutzer passt. Vergisst ein Entwickler diese Prüfung an einer Stelle, entsteht ein Leck.

Sicherer ist es, jedem Mandanten eine eigene Datenbank zu geben. Die Software bleibt dieselbe, die Daten liegen aber in getrennten Behältern. Die strengste Stufe gibt jedem Kunden komplett eigene Rechenkapazität. Das kostet mehr, wird aber bei Banken, Behörden und im Gesundheitswesen oft verlangt.

Ein hilfreicher Vergleich ist ein Mietshaus. Alle Bewohner teilen sich Fundament, Dach und Treppenhaus, so wie Mandanten sich die Software teilen. Jede Wohnung hat aber ein eigenes Schloss, und niemand kann durch die Wand schauen. Ein eigener Server entspricht dann einem freistehenden Haus. Wichtig ist in beiden Fällen: Die Verschlüsselung der Daten ersetzt die Trennung nicht. Sie schützt vor Angreifern von außen, nicht vor einem Programmierfehler, der Daten dem falschen Kunden zeigt.

Mandantentrennung bei KI-Diensten und in Ausschreibungen

Besonders aktuell ist das Thema bei KI-Diensten. Wenn ein Unternehmen interne Dokumente von einem Sprachmodell durchsuchen lässt, dürfen diese Dokumente nicht in den Antworten anderer Kunden auftauchen. Anbieter versichern deshalb ausdrücklich, dass Kundendaten nicht zum Training der Modelle verwendet werden. Genau diese Zusage ist eine Form der Mandantentrennung.

Im Alltag begegnet dir das Prinzip an vielen Stellen. Deine Schule nutzt vielleicht eine Lernplattform, die tausende andere Schulen ebenfalls verwenden. Trotzdem sehen nur deine Lehrer deine Noten. Auch Online-Shops, Buchhaltungsprogramme und Videokonferenz-Dienste funktionieren so.

In den Nachrichten tauchen die Begriffe meist in zwei Zusammenhängen auf. Entweder wirbt ein Anbieter damit, um Großkunden oder öffentliche Aufträge zu gewinnen. Oder ein Fehler ist passiert, und Nutzer haben kurzzeitig fremde Daten gesehen. Solche Meldungen gab es in der Vergangenheit selbst bei sehr großen Anbietern. Für Investoren ist die Frage deshalb ein Standardpunkt bei der Bewertung von Software-Unternehmen.

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