Querschnitt durch ein Rechenzentrum: Klimagerät bläst kalte Luft in den Doppelboden, sie steigt im Kaltgang vor den Serverschränken auf, wird durch die Server gesaugt und verlässt sie als warme Luft im abgetrennten Warmgang; daneben eine Variante mit Flüssigkühlplatte direkt auf dem Chip.

HVAC

HVAC ist die Sammelbezeichnung für die Technik, die Gebäude heizt, mit Frischluft versorgt und kühlt. In Rechenzentren entscheidet sie darüber, ob die Computer ihre Abwärme loswerden – und verschlingt selbst einen erheblichen Teil des Stroms.

HVAC steht für Heating, Ventilation and Air Conditioning, also Heizung, Lüftung und Klimatisierung. Gemeint ist die gesamte Technik, die in einem Gebäude für angenehme und stabile Luftverhältnisse sorgt. Dazu gehören Heizkessel und Wärmepumpen, Lüftungskanäle und Ventilatoren, Kältemaschinen und Kühlaggregate. Im Deutschen sagt man dazu oft Gebäudetechnik oder kurz HLK. In der Tech- und Finanzwelt taucht der Begriff heute vor allem im Zusammenhang mit Rechenzentren auf. Denn dort ist Kühlung kein Komfortthema mehr, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass die Anlage überhaupt läuft.

Warum Rechenzentren an der Kühlung hängen

Jeder Chip verwandelt praktisch seinen gesamten Stromverbrauch in Wärme. Ein einzelner moderner KI-Beschleuniger zieht bis zu 1000 Watt, ähnlich viel wie ein Heizlüfter. In einem Serverschrank stecken dutzende davon. Ohne aktive Kühlung würde die Temperatur binnen Minuten so weit steigen, dass sich die Chips selbst drosseln oder abschalten.

Deshalb ist HVAC in Rechenzentren ein Kostenfaktor erster Ordnung. Die Kennzahl dafür heißt PUE, also Power Usage Effectiveness. Sie gibt an, wie viel Strom das gesamte Gebäude verbraucht, geteilt durch den Strom, der tatsächlich in den Servern landet. Ein Wert von 1,5 bedeutet: Für jede Kilowattstunde Rechenleistung geht eine halbe zusätzlich für Kühlung, Licht und Technik drauf. Gut gebaute Anlagen kommen heute auf Werte um 1,1.

Für Anleger ist das relevant, weil Kühlung längst über Standorte entscheidet. Betreiber bauen dort, wo es kühl ist, wo Wasser zur Verfügung steht und wo Strom günstig bleibt. Firmen aus der Klimatechnik gelten deshalb an der Börse als indirekte Profiteure des KI-Booms.

Von der Umluft zur Flüssigkeit am Chip

Der klassische Ansatz ist Luftkühlung. Klimageräte blasen kalte Luft in einen Doppelboden, von wo sie durch Öffnungen vor den Serverschränken aufsteigt. Die Ventilatoren der Server saugen sie durch die Geräte, hinten kommt heiße Luft heraus. Damit sich beide Ströme nicht vermischen, trennt man kalte und warme Gänge räumlich voneinander ab.

Diese Methode stößt bei KI-Hardware an ihre Grenzen. Luft nimmt Wärme schlecht auf, Wasser kann etwa dreitausendmal so viel Wärme pro Volumen transportieren. Deshalb setzt sich Flüssigkühlung durch. Dabei laufen Kühlplatten direkt auf den Chips, durch die Wasser oder eine spezielle Flüssigkeit gepumpt wird. Eine noch radikalere Variante taucht ganze Server in nicht leitendes Öl.

Sparsam wird das Ganze durch freie Kühlung. Ist die Außenluft ohnehin kalt genug, bleibt die energiehungrige Kältemaschine aus, und ein Wärmetauscher übernimmt. In Nordeuropa funktioniert das an vielen Tagen im Jahr. Ein verbreiteter Irrtum ist übrigens, dass Rechenzentren möglichst eisig sein müssen. Tatsächlich laufen viele Anlagen bei 24 bis 27 Grad, weil höhere Temperaturen die Kühlkosten senken und moderne Hardware das aushält.

HVAC in Quartalszahlen und im eigenen Haus

In Nachrichten begegnet dir der Begriff meist über Zahlen. Wenn ein Konzern ankündigt, ein Rechenzentrum für mehrere Milliarden zu errichten, entfällt ein spürbarer Teil davon auf Kühl- und Lüftungstechnik. Auch Debatten über den Wasserverbrauch von KI drehen sich um HVAC, denn manche Anlagen kühlen durch Verdunstung und verbrauchen dabei Trinkwasser.

Im Alltag steckt HVAC in jedem Bürogebäude, in Zügen, Krankenhäusern und Supermärkten. Zu Hause übernimmt eine Wärmepumpe mit Lüftungsanlage dieselbe Aufgabe in klein. Gesteuert werden solche Systeme zunehmend von Software, die Wetterdaten und Belegung auswertet und die Anlage vorausschauend regelt. Genau hier trifft Gebäudetechnik auf KI: Modelle sagen den Wärmebedarf voraus und sparen so Energie, ohne dass jemand am Thermostat dreht.

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